Als sein Partner in den Straßen von Whitechapel von einem „Nebel“ ermordet wird, gerät Constable James Light als ehemals Opiod-Abhängiger direkt selbst unter Mordverdacht! Seine Karriere in London bei der Met ist sowieso am Ende, da kommt ihm gerade recht, dass im kleinen, beschaulichen York eine Detektei zu verkaufen steht. Kurzentschlossen wirft er sich in dieses Abenteuer – und muss feststellen, dass er es mit keiner normalen Detektivarbeit zu tun hat. Nicht nur drängt sich der charmante Chaoskopf Phileas Dusk in sein Leben, sondern James betritt eine völlig neue Welt: Verflixt viele Geister treiben ihr Unwesen in dieser Stadt – und im ehemals ehrwürdigen Fogwood Manor sogar eine ganze Familie von Rachegeistern…
Der Einstieg in „From Light to Dusk“
Gut, die ersten 10 Seiten waren etwas wild, ein für mich ganz anderer Schreibstil als im restlichen Buch. Das reicht in etwa bis zu der Szene, in der sich James die Detektei kauft. Sobald er damit an dem Ort ist, wo er hinsoll, wurde es auch für mich als Leserin einfacher und runder. Als wären endlich alle Puzzleteilchen am Platz. Danach wird es rundum angenehm – mit perfekt abgestimmter Geschwindigkeit der Handlung, jeder Menge Sympathie für die Charaktere und der spannenden Bedrohung durch Geister und dem kriminellen Vergangenheit einiger Personen.
Die 2 Ebenen der Geschichte
Einmal wollte ich also unbedingt miterleben, wie James glücklich wird – und dafür musste er sich noch weiterentwickeln, was Phileas mit einigen Seitenhieben echt gut hinbekommen hat. Da ich sowieso selten Romance lese, war „From Light to Dusk“ auch noch meine erste männlich-queere Geschichte. So richtig wusste ich nicht, was mich erwartet, daher eine kurze Spice-Einordnung für alle anderen: Mild. Der Fokus der Geschichte liegt auf Charakterentwicklung, Geisterjagd und wenn wir schon bei Tropes landen: Vielleicht Forced Proximity und für mich auch Found Family. Witzig wäre es, wenn die beiden ein geisterhaft-magisches Haustier bekommen könnten, aber das ist vielleicht einem Witches-Familiar zu ähnlich. Die zweite Ebene des Buchs ist die Kriminalhandlung: Es war klar, dass die Geister eine ganz eigene Geschichte haben, deren Aufklärung ich unbedingt erfahren wollte. Eingeblendete Perspektiven einer anfangs unbekannten Person offenbaren einen persönlichen Bezug zur Familie und schlagen dann die Brücke zu James & Phileas.
So kam es, dass das Buch nicht erst auf den SuB wanderte, sondern sofort gelesen und direkt an eine Freundin weiterverliehen wurde 🙂
Das war außerdem gut
Ganz grundsätzlich einfach die gelungene Mischung aus Wohlfühlen, Spannung und intelligenten Charakteren, die keine Teenager sind. Das viktorianische Flair tut sein Übriges zum Charme, denn manchmal macht zu viel Technik die Fantasy-Elemente einfach kaputt. Trotz der verschiedenen Ebenen hat alles gut zueinander gepasst und es wirkte gut durchdacht, sodass am Ende keine wesentlichen Fragen offen geblieben sind.
Es klingt so brutal banal, aber wir haben hier ein Exemplar der seltenen Spezies „Stand-Alone Fantasybücher“! Ich liebe es sehr, denn am Handy habe ich eine Liste mit knapp 20 Reihen, deren Verlauf ich verfolgen muss, wenn ich nicht ständig hinterher sein will. Das nimmt mir bisweilen den Spaß, weil es mehr gen Stress ausartet. Es tut einfach gut, sich mal in ein einziges Buch fallen zu lassen und am Ende wars wirklich das Ende der Erzählung.
Für alle außerhalb der Region Oberbayern mag es seltsam wirken, aber: Lokalmatador! Die Autorin Sarah Malhus kommt aus dem Umfeld Münchens und auch wenn sie es nicht weiß, haben wir uns schon mal bei einer Lesung von Kevin Hearne gesehen/getroffen. Ihr erstes Buch heißt „Aus dem Leben eines Barden“ und wurde genauso wie „From Light to Dusk“ per Crowdfunding vorfinanziert. Ab und zu streamt sie Co-Working auf Twitch und da war es in Summe ein No Brainer, sich ins Crowdfunding einzubringen.
Was soll ich noch sagen? Es hat einfach Spaß gemacht, es zu lesen 🙂