Rezensionen - Romantasy

ACOTAR: Ich muss einfach fangirlen!

Down down the rabbithole … So fühlt es sich an, wenn man den ersten SJM in die Hand nimmt und genau weiß, wie viele andere Bücher da draußen dann noch auf einen warten. ACOTAR ist also mein Einstieg und bis dato habe ich Band 1, 2 und 3 plus den winterlichen Sonderband beendet. Ich muss sagen, dass ich äußerst positiv überrascht bin. Anstatt aber klassische Rezensionen zu schreiben, erzähle ich lieber, was mich bei der Reihe so sehr bei der Stange hält, dass mich als arbeitende Mama auch ein 700-Seiten-Buch nicht abturnt. Außerdem: Wie soll man 4 Bücher in einer Rezi behandeln? Völlige Quark-Idee 😀 Bleiben wir lieber ehrlich: Ich muss etwas fangirlen!

SPOILER-ALERT! Ich halte mich bei diesem Artikel nicht zurück.

Gut, das erste Buch war ein ganz wilder Eindruck: Wir sollten Tamlin als Helden begreifen, wir wollten unsere Feyre gegen ihre Schwestern schützen und sie in ihr magisches Abenteuer begleiten. In diesem ersten Kontext fand ich es immer seltsam, von „males“ und „females“ zu lesen, weil mir das einfach zu stark wie Biologieunterricht klang und auch nach 4 Büchern stocke ich da immer wieder. Aber mei, damit muss ich leben.

Gedanken über ACOTAR, there you are, buchbesprechung ACOTAR

Ich mag die Konzeption des Court of Night als „Court of Dreams“ anstatt „of Nightmares“. Wer ist am Anfang gedanklich bei „Court of Night“ nicht bei negativen Gedanken gelandet? Die Nacht als Zustand des nicht-sehen-könnens, als Hort der Dunkelheit, in der sich Monster verstecken – stattdessen findet sich hier ein hoffnungsvoller Twist, der die Dunkelheit zu einem Hort der Hoffnung macht, anstatt Schmerz und Qual zu zentrieren. Ganz nebenbei löst sich die Autorin damit auch von der christlichen Konzeption einer Hölle, wie der Court of Nightmares es unter dem Berg ziemlich sicher gewesen wäre. Zumal ein qualvoller Sündenpfuhl inhaltlich so spannend wie eine mittelalte Scheibe Brot gewesen wäre: Grundsätzlich interessant beim ersten Biss, aber der zweite schreit schon nach etwas, was die Scheibe / die Sünde nicht allein geben kann. Ein kleines Beispiel dafür, wie SJM ihrer Geschichte etwas mehr Komplexität verleiht und das macht mir wirklich Spaß. Ich genieße das. Zumal der gelegentliche Ausflug in den Court of Nightmares dann eine „erlaubte Grauzone“ für Rhys und Feyre darstellt, wo sie etwas hemmungsloser sein können und damit Elemente der „Dark Romance“ bedienen können – ohne die gesamte Liebesgeschichte in Verruf zu bringen. Ein Mü anrüchig, aber eben auch nicht mehr.

Andeutungen, die ich erst hinterher verstanden habe. ACOTAR ist eine der wenigen Reihen, bei denen ich gedanklich zurückgehe und mich daran erinnere, wie oft Feyre die Nacht und die Sterne als beruhigend empfand, als emotional stabil, anheimelnd – natürlich wissen wir jetzt auch, warum. Wir checken endlich, warum ein Schatten in ihren Träumen kein Bote von Unheil ist, sondern Ruhe und wohltuende Nähe ihres Mates. Rhys war schon immer Teil ihrer Geschichte. Was im Übrigen bedeutet, dass die Sache mit den Mates nicht erst entsteht, wenn sie aufeinandertreffen, sondern laaaange Zeit vorher.

Das vergleichsweise geringe Spice-Level. Es ist definitiv vorhanden, aber killt nicht die Handlung. Zudem gibt es wirklich nicht so viele Szenen.

Elain & Azriel. … und Lucien – ich habe da eine Theorie. Also in Band 4 ist für mich irgendwie sehr wahrscheinlich, dass Lucien gelogen hat, als er Elain als sein Mate bezeichnet hat. Sie fühlt das Bond ganz klar nicht. Auch nicht, nachdem sie sich mental endlich von Grayson gelöst und ihren Platz in ihrer neuen Familie angenommen hat. Lucien ist und bleibt ein Fuchs, also wendig, schnell und schlau. Der hat doch einen Plan und hat gecheckt, dass Tamlins Zeit gekommen ist und sich deshalb von ihm abgewendet. Viel mehr wissen wir doch gar nicht über Lucien, also charakterlich – oder hab ich was verpasst? Da kommt sicherlich noch was Großes auf uns zu. Band 5 fehlt mir noch, also lasst mir bitte meine Träume 😀

Tamlin, die Ekelsocke. Ja, der ist so weird dass seine Storyline mich auch bei Laune hält. Toxischer Typ, vielleicht einfach verwöhnter Adelssohn? Insgesamt finde ich es trotzdem einigermaßen künstlich, dass es Tamlin ganz und gar so schlecht geht – nur wegen Feyre. Gut, wenn das nur gespielt ist und er Feyre gar nicht soooo dolle liebt, dann muss man sich schon fragen, warum er mit Amarantha einen Pakt eingegangen ist. Sie kennen sich ja schon von früher und da  hatte Tamlin immer den Instinkt, eine Beziehung mit ihr zu verweigern – und er hatte auch was gegen seinen Vater, der sich politisch eher bei Hyburn sah. Warum also entschied sich Tamlin für eine Allianz mit Hybern? Zu viele Widersprüche für mich, da kommt doch noch was Spannendes.

Es gibt mehr Emotionen als nur die „einzig wahre“ romantische Liebe. SJM schreibt über Charaktere, die sich quasi lieben, aber diese Liebe nicht unter Zwang romantisieren und ihre Erfüllung in einer Ehe sehen. In der Feyre und Rhysand btw stecken und können wir darüber bitte reden? Wie viele Fantasybücher mit verheirateten Hauptpersonen kennen wir, die weiterhin hot und cool sind? Aber zurück zur Liebe: Man kann jemandem ganz eindeutig positive Gefühle entgegenbringen und trotzdem ganz bewusst nicht nach einer Beziehung streben. Liebe allein reicht auch nicht für eine erfolgreiche Partnerschaft. Auch hierin stecken wiederrum Konzepte, mit denen die Autorin es sich nicht unbedingt einfach, aber eben auch besser für mich/ uns macht.

Toxischer Shit steckt ganz tief in unserer Erziehung. Ich finde: SJM sieht das, reflektiert es und gibt den Leser:innen die Möglichkeit, das auch zu tun. Tamlin wird uns vorgestellt und sofort als der zentrale Love Interest platziert. Gleichzeitig findet jede:r, der/die hinschauen mag, sofort alle Anzeichen dafür, dass er nicht der Wahre ist. Immerhin schickt er seine Freunde über die Grenze, um zu sterben und als der letzte stirbt, trampelt er schreiend im kleinen Haus vor verängstigten Menschen herum, anstatt sich im Griff zu haben, den Treaty klug und vorausschauend einzufordern und die Chance aufs Fluchbrechen zu nutzen. Und nein, sagt mir nicht, dass er sauer war, weil sein Kumpel gestorben ist – alle anderen „Freunde“ sind auch nicht über die Grenze zurückgekommen. Ständig fährt er seine Klauen aus, explodiert, zeigt sein Biest – und Feyre denkt das, was viele junge Frauen beigebracht bekommen: „MICH verletzt er nicht, ich bin etwas Besonderes.“ Nein girl, er ist das Problem und du musst das Problem im Übrigen nicht lösen. Schon gar nicht mit „Liebe“, Leben unter Zwang und kleinhalten. Das kommt dann auch auf den weiteren Seiten und tut richtig gut.

Rhysand gibt ihr keine Wahl. Er zeigt ihr, dass sie schon immer eine hatte und sie ihr unter anderem von Tamlin genommen wurde. Er zeigt ihr, dass niemand ihr großzügiger Weise eine Wahl geben darf, weil niemand gottgleich über ihr steht und irgendwelche derartigen Rechte hat. Die Wahl war schon immer die ihre und beharrt auf ihren freien Willen.

Ganz ehrlich: Meine liebste Szene ist immer noch die, in der Rhysand und Feyre das erste Mal aufeinandertreffen. Die ist so einfach, es passiert gefühlt nichts und trotzdem habe ich laut gequietscht und sofort meine Freundin Gisela gelöchert, wie groß der Rhysand-Anteil der weiteren Bücher ist, weil der Vibe einfach so viel besser war als alles, was Tamlin jemals zustande gebracht hat. Auf diesen wenigen Seiten zeigt SJM, wohin sich die simple Schöne-und-das Biest-Analogie entwickelt. Und wie sauer ich einfach war, als er dann erst mal wieder verschwunden ist! Rhys, der ihr Schreiben beibringt und damit Unabhängigkeit ermöglicht. Sehr gezielt, sehr gut platziert und instant war Tamlin für mich abgehakt. Das muss man mit so wenig Text erst mal schaffen, Respekt!

Fragen habe ich hauptsächlich zu Amarantha: Tamlin schickt ihr Lucien, um sie zu Verhandlungen aufzufordern. Sie schneidet ihm das Auge raus und zerfetzt sein Gesicht – Lucien also schwer verletzt im Namen von Tamlin. … und weil man das ja mit einem Ball wieder gutmachen kann, schmeißt sie einen und Tamlin geht halt auch noch hin. Huch, Gehirn hier schon verloren? Zumal sie direkt davor bei einem Fest den High Lords ihre Magie geraubt hatte. Also einmal gestehe ich den Überraschungsmoment gerne zu, aber ein zweites Mal? War doch klar, dass da was kommt, vor allem, wenn Tamlin sie so richtig schön provoziert: Amaranthas Schwester habe ihr einen Mensch (Jurian, remember…?) vorgezogen. Dude, das eine ist die Liebe einer Schwester und das andere die romantische Liebe zu einem Partner. Wie kommt man darauf, das wertend miteinander zu vergleichen?

… und jetzt? Zögere ich das Lesen von Band 5 noch etwas hinaus, damit ich näher am Release von Band 6 bin 😀 Ich Fuchs. (Leidend gepostet.)
Stattdessen widme ich mich einem meiner #12für2026 und lese Band 1 von Anna Flecks „Froststerne“.

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