Rezensionen - Fantasy

Meine Kritik an Daughter of the Siren Queen, AKA Miss Perfect

Obacht! „Daughter of the Siren Queen“ ist Band 2 – die Besprechung zu Band 1 (Daughter of the Pirate King) findest du hier. Den ersten Band habe ich bereits sehr negativ besprochen, daher möchte ich an dieser Stelle betonen: Es geht mir nicht darum, sensationsgierig eine Lästerei vom Feinsten abzuliefern. Ich will niemanden runtermachen – weder die Autorin, noch Lesende, denen die Reihe gefallen hat. Daher versuche ich, meine Abneigung anhand von sehr konkreten Punkten zu illustrieren. Nicht zuletzt möchte ich unterstreichen, dass ich mit meinen über 30 Jahren nicht zur Zielgruppe gehöre.

Also, wie geht es mit „Daughter of the Siren Queen“ weiter?

Ein bisschen besser und irgendwie auch nicht. Positiv anmerken will ich, dass dieses mal mehr Schiffsbegriffe fallen. Zwar sehr pointiert und absichtlich eingefügt, um Kompetenz zu zeigen, aber immerhin! Lasst mich das honorieren, denn es gab also Recherche und das Schiffs-Feeling wird etwas gesteigert. Für Teenager wird das allemal reichen.

Danach geht es für mich allerdings sehr negativ weiter und ich weiß gar nicht, wieviel ich ohne Spoiler berichten kann. Beginnen wir mit einer Kleinigkeit: Einmal taucht der Name „Tyler“ auf, wie der liebe „Tylon“ wohl mal früher hieß – jetzt fragt man sich nur: Why me? Kann ja nicht erst mir aufgefallen sein, Weltbestseller und so, auch erfolgreich in Deutschland. Dass man das in einer extra Schmuckausgabe nicht ändern kann? Looking at you, Bücherbüchse!

Ich mag die Protagonistin leider immer noch nicht.

Ja, auch sie ist ein Teenager aus einer fragwürdigen Familienkonstellation, aber es gibt auch für ihre Figur einfach logische und emotionale Grenzen. Beispielsweise redet sie die ganze Zeit davon, dass „Person x“ sie verlassen hätte und macht sich damit zu einem Opfer, schiebt Verantwortung für ihr eigenes Verhalten ganz weit von sich. Direkt vor ihrem Abgang meinte aber diese „Person x“ zu Alosa: „Folge mir“. Ja girl, dann hatte sie wohl nicht die Absicht, dich zu verlassen und hat im Zweifel einen Fehler gemacht. Du dagegen hast dich dazu entschieden, einfach nicht zu folgen. Übernimm bitte mal Verantwortung für deine eigenen Entscheidungen. Sowas stresst mich beim Lesen, zumal es mehrfach erwähnt wird – als könnte sich das niemand über ein paar Seiten hinweg merken.

Rezension zu "Daughter of the Siren Queen"
Die Schmuckausgabe der Bücherbüchse ist unverändert pretty: Toller Farbschnitt, schicker Umschlag, farbige Illustrationen innen und holografische Folienprägung auf dem Buch selbst!

Ein anderes Beispiel: Sie möchte in das geheime Zimmer ihres Vaters einbrechen. Dazu wird eine komplett neue Person eingeführt, die netterweise Schlösser hacken kann. Sowas nervt mich enorm, weil es die einfache Lösung ist. Oh, die Prota steht vor einer Herausforderung! Hier, Autorin zaubert aus dem magischen Hut einfach eine neue Person, die später nicht mehr relevant ist, aber jetzt mal eben echte Probleme löst. Nein, echt nein. Zudem gehen sie spät am Abend los, weil „die Piraten da bestimmt schon schlafen“ und sonst gibt es keine Vorbereitung. Wer macht sowas? Als Captain eines Schiffes trägt sie normalerweise extrem viel Verantwortung und ist quasi Projektmanager der ganz besonderen Art. Aber beim gefährlichsten Mann der Welt einbrechen geht mal zwischen Kaffee und Kuchen?

Als sie erwischt werden könnten, sagt sie plötzlich, sie hätte ihren Sirenengesang nicht auffrischen können, was normalerweise nur Minuten dauert und auf einem Schiff sollte sie von genug Seewasser umgeben sein … So kleine unlogische Aspekte gibt es immer und immer wieder und ja, es sollte nicht nur mir auffallen. Nicht zuletzt kommt bei diesem Einbruchsversuch ohne Witz der Satz: „Also werden wir sehr schlau sein müssen, um hier rauszukommen.“ Alternativ hätte man vorher natürlich auch 3 Sekunden nachdenken können. Aber hier kommt wieder die Attitüde aus Buch 1 ans Licht: Niemand kann ihr was, sie ist immer die Tollste, bla bla bla.

Was mir den Boden ausm Fass geschlagen hat, war dann die uferlose Oberflächlichkeit: Um blutrünstige Piraten daran zu erinnern, dass sie ihre Prinzessin ist, stylt sie sich besonders hübsch. Dass sie damit nicht ihren Anspruch untermauert, sondern sich als Beute präsentiert, scheint mir allerdings naheliegender – und was bringt es bitte, sich gegenüber machthungrigen, moralisch verwerflichen Typen besonders hübsch zu zeigen? Das ist keine Dominanz, das ist dumm. Zumal sie keine echte Prinzessin mit Geblüt ist (ja, dieser Ausdruck taucht auf!), sondern eine vermaledeite Piratenprinzessin, also die Tochter von einem Typ, der sich schlicht selbst als König bezeichnet – nein, du bist keine Prinzessin, du gefällst dir nur in der Rolle und willst ein bisschen Macht von deinem Papa abschneiden. Nichts davon steht dir „von Geburt an“ zu, du Tröte!

Zuletzt geht es überragend oft um Kehlen. Die durchgeschnitten werden, selbstredend. Als gäbe es keinen anderen Weg, Menschen zu töten. Das fühlt sich an, als wolle die Protagonistin ihre 13-jährigen Leserinnen mit dieser „krassen Brutalität“ schocken und beeindrucken. Uff. Dreimal vermaledeites Uff.

Band 3 ist übrigens eine Nebenstory, die Geschichte rund um Alosa findet nach zwei Büchern ihr Ende. Dieser Band 3 darf ruhig noch etwas warten, denn ich dachte, ich gönne mir eine kleine Pause von Piratenschiffen.

Du bist gespannt, was andere Leser:innen positiv finden könnten? Bei „Mo und die Macht der Worte“ findet ihr eine positive Rezension zu „Daughter of the Siren Queen“.

Wie geht es für mich weiter?

Nach diesem Teenage-Drama wollte ich übrigens mal wieder was ganz anderes lesen und habe mich „Wuthering Heights“ gewidmet. Das Buch lag in englischer Ausgabe seit Jahren bei mir herum und ich dachte, die Bronte-Schwestern schreiben immer Liebesgeschichten. Irgendwo zwischen den Seiten steckt da auch eine, aber so weit weg und auch noch inzestös, sodass ich es nach knapp 80 Seiten abgebrochen habe und nur die letzten 3 Kapitel zur Erhellung inhaliert habe. Erhellt bin ich indes, denn es ist zum einen fürchterlich gruselig schrecklich unsympathisch – und es hat absolut NICHTS mit dem Trailer zu tun, der da aktuell durchs Netz geistert. Beim Trailer bekam ich außerdem Mountain-Daddy Vibes, weil die weibliche Prota beim Kneten von Eigelb ganz fürchterlich wuschig wird. Beurk!

Ein Gedanke zu „Meine Kritik an Daughter of the Siren Queen, AKA Miss Perfect“

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