Jeden Sommer habe ich eine britische Phase, so wie andere im Sommer offenbar gerne zu Thrillern greifen: Ein bisschen Mord, ein bisschen Magie mit verschiedensten Konzepten, illustre Gestalten allerlei Couleur, dunkle Bedrohungen, Tee, Zynik, Sarkasmus – die Insel bietet sich als Schauplatz viele fantastische Serien an, bei denen man sich fallen lassen kann. Für mich bisher mein ganz persönlicher Sommerzauber.
Lange Zeit haben für mich nicht nur Benedict Jacka oder Jodi Taylor dazugehört, sondern auch Ben Aaronovitch mit den Flüssen von London. Zugegeben, jedes einzelne Buch der Reihe habe ich noch nicht gelesen, aber die ersten und die letzten 3, dazu die Novellen. Die jüngste Veröffentlichung ist „Die Meerjungfrauen von Aberdeen“, erschienen wie immer beim dtv Verlag. Darin enthalten ist ein Ausflug nach Schottland, der doch eigentlich ganz spaßig sein könnte!
Satz mit x, das war wohl nix. Doch woran lag es?
Ist es der Fluch der Elternschaft …
… der aus einem ehemals einigermaßen attraktiven Hauptcharakter einen Typen macht, der an eine Familie mit Kleinkindern gebunden ist? Lasst mich ehrlich sein: Ein bisschen ja. Auch wenn ich es schätze, wenn Elternschaft mal ehrlich und mit Humor porträtiert wird – in einem Fantasybuch passt es für mich nicht rein. Weil er mental kein Bookboyfriend sein kann, man sich moralisch nicht zu ihm hingezogen fühlen möchte und außerdem die permanente Erwähnung seiner Kleinkinder etwas nervig ist. Ich bin selbst Mutter und liebe meine kleine Maus, aber in einem Fantasybuch möchte ich eben rauskommen aus meinen elternlichen Pflichten. In meiner kostbaren Mittags(schlaf)pause will ich nichts darüber hören, welche verrückte Ideen dem Kopf kleiner Geister entstehen können. Zumal das in diesem Fall einfach rein gar nichts mit der magischen Handlung zu tun hat.
Ist es die Schablone, die der Autor einfach abarbeitet?
Genau wie bei „Der Oktobermann“, der zuletzt von mir gelesenen Novelle, arbeitet der Autor sich verdammt lieblos an einem Schema F ab, was die Handlung angeht. Ich spürte keinen Spaß, keine Inspiration, keinen Wunsch, mit Witz und Charme zu unterhalten. Es war sein Job, ein Buch zu schreiben, das tat er und damit hatte sich der Lack. Dafür soll ich kostbare Lebenszeit hergeben und Geld übrigens auch. Ich bin sehr enttäuscht, gerade vom Oktobermann hält dieser Eindruck noch lange an: Selbst die Personenkonstellationen der eigentlichen Reihe hat er dort übernommen und recht platt mit sehr ähnlichen Charakteren nachbesetzt. In „Die Meerjungfrauen von Aberdeen“ hat mich nicht mal die Auflösung wirklich interessiert und das lag nicht nur daran, wie wahnsinnig emotionsbefreit alles heruntergerattert wurde. Die zigfachen Erklärungen, was nun mal vestigiae sind, gingen mir dann auch noch ziemlich auf den Senkel. Neue Leser:innen abholen war das Ziel, „alte“ Leser:innen werden verprellt.
Magische Welt = Charaktervielfalt?
Leider nein. Beverly bekommt netterweise einige Zeilen und es gibt sogar zwei Erwähnungen, dass Peter Grant Schwarz ist, aber es wirkt sehr „angepasst“. Mit der Formulierung kann ich wahrscheinlich einige Fettnäpfchen mitnehmen, aber vielleicht hilft dieser Gedanke als Erklärung: Es reicht nicht, zu sagen, dass ein Charakter Schwarz ist, gerade wenn man ihn als weißer Autor schreibt. Das sorgt nicht für Diversität. Seine Lebensweise, die nicht mit dem weißen Mitteleuropäer deckungsgleich ist, könnte da schon ein besserer Ansatz sein. Seine Erfahrungen, die vermutlich rassistisch geprägt sein dürften durch unsere elende Gesellschaft, könnte seine Ermittlungsarbeit anders gestalten.
Ich will bunte Persönlichkeiten erleben. Selbst mit einem Minimum an Arbeit könnte über seine involvierte Familie einiges mehr in die Geschichte einfließen und so für Repräsentation sorgen. … und auch sonst wirken die restlichen Charaktere recht weiß, selbst wenn sie der Wasserwelt entstammen.
Mein Fazit
Die Summe macht mich wütend. Wäre die Buchreihe ein Ex-Freund, müsste man wohl ein paar Auto-Spiegel kreativ entfernen – und so, wie ich Reaktionen auf meine Storys auf Instagram sehe, stehe ich damit nicht allein da. Ich sage, dass die Serie müde ist und andere reden von „seit 3 Büchern tot“.
Tja, Herr Aaronovitch, Totgesagte leben bekanntlich länger und Chancen bekommt man immer wieder – aber manchmal darf man eine Reihe nach 10 Bänden auch erfolgreich und vor allem offiziell beenden.
Hier entlang, wenn du Lust auf eine positive Rezension hast aus dem Bereich Cosy Fantasy!