Kritik an Sword Catcher, Rezension zu Sword Catcher
Rezensionen - Fantasy

Sword Catcher: Neugier & dubiose Strukturen im Weltenbau

Wäre die Autorin nicht Cassandra Clare (AKA Judith Lewis), hätte ich das Buch nicht gekauft, so weit gehe ich in meiner Kritik an Sword Catcher. Der Inhalt klingt gut soweit, aber nicht packend genug, um meinen geballten SuB zu umgehen. Aber da ich bereits 2008 mit den Schattenjägern angefangen habe, waren meine letzten Jahre durchaus geprägt von der Welt der Halbengel, Engel und dämonischen Kräfte. Entsprechend neugierig war ich, denn es war aus Sicht der Autorin sicherlich nicht leicht, aus dem Shadow Hunter-Imperium auszusteigen. Auch wenn es dringend Zeit war.

Cassandra Clare ist laut gängiger Biographie-Informationen die Tochter amerikanischer Diplomaten und reiste schon früh sehr viel – und erhielt dadurch Einblicke in verschiedenste Kulturen. In „Sword Catcher – die Chroniken von Castellan“ kommt ihr das allerdings nicht zu Gute, vielmehr wird es einer meiner größten Kritikpunkte. Ich analysiere den Text so vorsichtig wie möglich und möchte meine Bedenken darlegen, damit sich jede:r selbst eigene Gedanken dazu machen kann. Die mich im Übrigen sehr interessieren, also lass einen Kommentar da, wenn du dich einbringen möchtest.

Darum geht’s in Sword Catcher

Kel ist ein Waisenjunge, der eines Tages in den Palast geholt wird. Dort wird er dazu ausgebildet, den Prinzen bei gefährlichen Situationen zu schützen und schlicht zu ersetzen. Sollte je ein Pfeil auf Conor, den Thronerben von Castellan, abgefeuert werden, muss Kel ihm in die Flugbahn springen. Über die Jahre verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft – umso schockierter ist Kel, als er von einem Komplott gegen Conor erfährt und ein unbekanntes Gift in der Stadt auftaucht. Er beginnt eigene Ermittlungen und übertritt immer mehr die Grenzen, die dem Schwertfänger des Prinzen gesetzt werden … Bis er sogar mit dem König der Verbrecher zusammenarbeiten muss, um Licht ins Dunkle zu bringen.

Kleine Namensanalyse für Sword Catcher

Unsere weibliche Hauptperson heißt Lin: erster Eindruck: Asiatisch? Unter anderem ja, aber eher als chinesischer Nachname mit der Bedeutung „Wald“. Merkt euch das mal kurz! Als Vorname gibt’s wohl noch Bedeutungen wie „schön“ oder „kostbar“. Nicht besonders kreativ, aber gut, ich setze meine Hoffnung auf die Bedeutung „Wald“. Mehr dazu später.

„Kellen“, oder Kel in Kurzform, kommt wohl von „caol“, was im gälischen „schlank“ heißt. Na prima, eine Hübsche und ein Schlanker, wenn das nicht vielversprechend ist. Wer möchte, kann wohl auch mit mittelniederdeutsch interpretieren, dass Kellen aus dem Sumpf kommt (‚kel‘ = sumpfig). Oder es hängt mit seiner fehlenden Helligkeit im Kopf zusammen, die er stattdessen außen als Haar mit sich herumträgt.

Meine grundsätzlichen Eindrücke

Rein von der technischen Seite gibt es einen großen Unterschied zu vielen anderen Büchern: Clare arbeitet mit wirklich langen Kapiteln mit bis zu 50 Seiten. In letzter Zeit bin ich an kurze Kapitel und viele Perspektivwechsel gewöhnt, davon nimmt Clare deutlichen Abstand. Es erleichtert, dass man tiefer in die Gedankenwelten eintaucht, weil man direkt mehr Zeit mit den Personen verbringt. Theoretisch. Mein Hauptproblem mit dem Buch ist, dass ich keine Verbindung zu Conor bekommen habe. Da sich die Handlung trotz aller Kel-Perspektive rund um den Prinzen dreht, ist das wirklich ein Problem. Ich wollte einfach nicht mehr über sein Schicksal erfahren…

Die Person, die mich stattdessen sehr interessiert, ist Antonetta – dabei erhält sie leider viel zu wenig Aufmerksamkeit in der Geschichte und nicht mal eigene Kapitel. Sie ist eine Adlige aus dem Freundeskreis von Conor und Kel, die früher mit den Jungs gespielt hat und jetzt in heiratsfähigem Alter ist. Ich würde es sehr feiern, wenn sie am Ende als der absolute Bösewicht auftritt. Eine Feindin mitten in den adligen Reihen Castellans, die sauer ist, weil sie als Kind Freiheiten hatte und als Jugendliche zu einer offiziellen Adligen verdreht wurde, die sich als dumm darstellen muss, keine klugen Kommentare abgeben darf und darauf gedrillt ist, Männern das Gefühl zu geben, dass diese über ihr stehen. Ein bisschen wie Cersei Lannister, nur eben in klug und weniger psychotisch.

Zwei sehr positive Aspekte sind aus meiner Sicht, dass sich eben doch auch feministische Züge finden lassen, denn gerade Antonetta geht offen mit ihrer Kritik am Patriarchat um. Dazu kommen queere Züge, denn ganz nebenbei droppt die Autorin, wie sich Charaktere zu nicht-binären Personen oder auch gleichgeschlechtlichen Personen hingezogen fühlen. Der zweite positive Punkt ist das spannende Ende, weil endlich zwei sehr pompöse Dinge geschehen, die alles drehen und offen lassen.

Band 2 von 2 erscheint im September 2025, etwas müssen wir uns also noch gedulden. Die Wartezeit allerdings macht  mir gar nichts aus, denn ich habe auch einige Kritikpunkte.

Meine Kritik an Sword Catcher

Lin ist eine Heilkundige und eine Ashkar. Als solche muss sie, wenn sie ihr Viertel verlässt, sich durch bestimmte Kleidung samt Kleidungsfarbe als solche kennzeichnen. Hmmm… Kennen wir aus der Vergangenheit. Die Ashkar kommen aus einer Region der Welt, die als verbranntes Land gilt und die Ashkar in Castellan deswegen als Außenseiter, Fremde, Ausländer. Jetzt könnte „Lin/Wald“ ein netter Spoiler für Band 2 sein, wenn das Volk der Ashkar nach Hause zurückkehrt und aus dem Ödland einen grünen Wald zaubert, in dem es friedlich und glücklich weiterleben kann. Es gibt aber auch andere Verbindungen, die man ziehen kann: Die Ashkar leben in einem abgrenzten Teil der Stadt, der ordentlich befestigt ist. Das Wort „Ghetto“ fällt nicht, aber was soll ein durch Mauern von der restlichen Stadt abgegrenztes Viertel denn sonst sein? Die Assoziation ist da und sie ist klar.

Einige Bewohner Castellans hegen eine tiefsitzende Abneigung gegen die Ashkar, eine Person spricht sogar von einer „Säuberung“, die mal wieder nötig sei. Die Ashkar haben also eine klare Verbindung zu Juden. Sie werden als Heilkundige sehr positiv dargestellt, es geht hier also nicht um Anti-Semitismus! Für mich entsteht eine fragwürdige Gesamtsituation daraus, dass parallel zum Hauptstrang die Geschichte der vorherigen Königreiche erzählt wird und damit die Entstehung der Ashkar. Die hatten nämlich eine total nette Königin, die Magie einsetzt, um ihrem Volk zu helfen. Ihr gegenüber steht ein König mit seinen Adligen und Volk, die voller Machtgier seien, raffgierig sowieso und hinterlistig, alles ausnutzen, Magie böse einsetzen et cetera. Der König heißt Suleiman /Suleman und repräsentiert damit ganz offen den arabisch-muslimischen Raum.

Wir befinden uns in einem Fantasyroman, bei dem Namen wirklich maximale Vielfalt erreichen und komplett erfunden werden können – aber Clare setzt ausgerechnet einen muslimischen Namen als Gegenspieler zu den Ashkar ein? Damit konzipiert nichts anderes als das Bild von Juden als Opfer der Muslime. Keine Differenzierung, keine Verschleierung.

Wenn Clare möchte, dass die Leser:innen von Sword Catcher die Magie des Judentums und Mystizismus spüren sollen (ihrer eigenen Religion btw), dann könnte das wirklich super spannend werden – solange sie nicht andere Teile ihrer Geschichte nutzt, um einen in der Realität laufenden, gewaltvollen und sehr blutigen Konflikt anzuheizen. Warum? Es ist so unnötig! Der aktuelle Konflikt rund um die Hamas und Israel startete im Herbst 2023 und „Sword Catcher“ erschien zeitgleich. Das konnte Clare in Sachen Timing natürlich nicht ahnen, aber es gibt genug Geschichte diesbezüglich und es war realistisch abzusehen, dass irgendwann wieder ein Konflikt entsteht. Warum also möchte sie in ihrem Buch explizit Juden gegen Muslime positionieren? Für eine Person, die international sehr erfahren ist, verwundert mich das wirklich sehr.

Sie ist weltweit bekannt, hat damit eine große Reichweite und könnte Internationalität auf entspannte Weise einbringen, denn mit Sicherheit ist Fantasy sehr weiß und männlich und christlich geprägt. Gut, davon profitiert Clare auch immer noch, denn ihr Schattenjäger-Konzept kommt mir doch extrem im Christlichen verankert vor. Aber man kann einem Universum eine Komponente hinzufügen, ohne jemand anderen zu schaden, indem man ihn als das personifizierte Böse einsetzt ohne Chance auf Besserung. Hier findet ihr einen englischen Beitrag der Australierin Nalini Haynes, der das Thema auch ungut aufgefallen ist. 

… und sonst so?

Versprochen wird eine Verschwörung gegen den Prinzen, den ich a) nicht so richtig leiden kann und b) beginnt die Verschwörung erst zirka ab Seite 300. Es zieht sich also und wäre nicht das Ende mit zwei Krachern, würde ich Band 2 nicht ansatzweise in Betracht ziehen. Auch so wandert er auf die „irgendwann mal“-Liste und bekommt keine Priorität eingeräumt.

Leider kein Highlight.

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