Rezensionen - Fantasy

Fantasy ohne Romance: Die Unstern-Reihe von Katrin Ils

Ja, da hast du richtig gelesen: Es gibt Fantasy, in diesem Fall sogar direkt aus Wien und damit nicht übersetzt – und wir finden keine Romance in der Unstern-Reihe! Zero Spice, der volle Fokus liegt auf der Handlung rund um den Unstern: unsere wankelmütige, ungehorsame, ungeduldige und ganz wunderherrlich unperfekte Hauptperson namens Kerra.

Was ist ein Unstern?

Ein Stern reflektiert nur Licht, aber allgemein sagt man, dass er leuchtet, die meist fürchtenswerte Nacht erhellt, Orientierung bietet… Ein Unstern ist das Gegenteil: Ein Un(glücks)stern, ein böses Omen, ein seriös schlechtes Vorzeichen. Bei Google findet man Hinweise auf eine Musikgruppe, ein Musikstück von Liszt und die umgangssprachliche Verwendung des Unsterns, der über der Arbeit oder wahlweise einem Haus hängt: Etwas oder jemand steht in einem unglücklichen Zeichen. Quasi riskante Dunkelheit, wo Licht sein sollte.

Cover von Unstern, Band 1 der Unstern-Reihe
„Unstern“ ist Band 2 der Unstern-Reihe

Oder in Kerras Fall: Ein Mensch ohne Magie, wo ebendiese strahlen sollte. Interessanterweise wird der Name „Kerra“ mit dem irischen Namen „Kerry“ assoziiert – was wohl für „dunkel“ oder „schwarz“ steht. Na da hat sich doch jemand Gedanken rund um seine Hauptfigur gemacht! Nach meinem bisherigen Eindruck passt das hervorragend zum Charakter, denn Kerra ist keine Heldin, will keine sein, handelt egoistisch und bereitet in Band 3 sogar einen Giftmord vor … Eine weitere fiktive Trägerin dieses Namens ist übrigens eine Jedi-Ritterin, die ganz wacker gegen die Sith gekämpft hat.

Darum geht’s in der Unstern-Reihe

Wie es dazu kommt, dass im Volke der Bahnu ab und an Kinder ohne Magie geboren werden, ergründen wir in der Unstern-Reihe von Katrin Ils nicht, dafür aber verbringen wir gefährliche Tage in der Stadt Alat (mittelalterlich geprägte Welt), wo kriminelle Banden dir schneller und besser helfen, als etwa Stadtwächter. E

Dorthin ist Kerra geflohen, um sich zusammen mit ihren Freunden Dolan und Sidra ein neues Leben aufzubauen. Doch Alat ist eine äußerst ungewöhnliche Stadt: Unter ihr schlummert wilde Magie, die mehr oder weniger gut getrennt vom oberirdischen Leben ihr Unwesen treibt – du merkst schon: Es brodelt in Alat!

Cover von Band 3 der Unstern-Reihe: Schattenkünder
„Schattenkünder“ ist Band 3 der Unstern-Reihe von Katrin Ils.

Doch der geplante Neustart erweist sich als deutlich komplizierter als gedacht: In Band 1 treibt ein Mörder sein Unwesen, der sich vor allem kleine Kinder holt. Der Verdächtige sei geflohen, angeblich mit Hilfe Dolans … Die Art der Verbrechen werfen kein gutes Licht auf die drei Freunde, dazu rückt die Stadtwächterin Maran unserer Prota etwas zu nahe: Maran ist überzeugt, dass Kerra Kontakt zum Mondschieber hat, einem legendären Schmuggler. Wenn Maran den fängt, wäre das ein enormer Antrieb für ihre Karriere, entsprechend schreckt Maran vor fast nichts zurück!

Sidra und Kerra haben keine Wahl, als mit einer der dunkelsten Gestalten Alats (Verbrecherkönig Ravid) einen nicht sehr einträglichen Handel einzugehen, um Dolans Leben zu retten. Dadurch aber geraten sie immer tiefer in die Fänge Alats, einer Stadt, in der ein Leben selten einen besonderen Wert hat und Dolche gerne mit Gift gespickt sind… In Band 2 hat Kerra ein diffiziles Problem am Hals: Sie soll zwei Magier retten für Ravid, während ihr eigentlicher Meister an deren Ergreifung arbeitet. Tja nun, blöd 😄

Wodurch sticht die Unstern-Reihe hervor?

Es gibt magisch begabte Menschen – und unsere Protagonistin gehört nicht zu den Magic Superstars ihrer Welt. Sie findet auch nicht plötzlich heraus, dass sie ein riesiges Talent hat oder von sonst wem abstammt. Sie ist ein Spielball zwischen größeren Mächten und versucht einfach, den Kopf über Wasser zu halten. Das macht sie sehr sympathisch und natürlich erschwert es ihr das Vorankommen. Aber sie gibt nicht auf, auch wenn alle am Durchdrehen sind, auch sie selbst.

Es gibt keine Romance. Dolan und Sidra sind selbstredend wichtige Charaktere, aber weder haben die beiden etwas miteinander, noch findet Kerra romantisches Interesse an einer anderen Figur. Das ist sehr erholsam, denn so fokussiert sich alles auf die eigentliche Handlung, das Ränkeschmieden und die Magie. An zwischenmenschlichen Regungen darbt die Reihe nicht, das sei an dieser Stelle versichert. Kerra steht im Zentrum, ihre Gedanken sind die einzigen, an denen wir direkt teilhaben. Umso intensiver lernen wir sie kennen, doch auch ohne Gedankeneinblicke in andere Figuren erkennen wir deren Emotionen, Handlungsmotive und fühlen sie mit.

Also: Emotionen „ja“, Heultiraden „nein“.

Das magische Konzept ist nicht in Stein gemeißelt. Gerade die wilde Magie in der Unterstadt spielt mal ganz lieb mit Kerra, scheint manchmal ein eigenes Bewusstsein zu haben und geht dann wieder ziemlich brutal gegen Besucher der Unterwelt vor. Als Unstern hat Kerra keine Magie, aber kann sie sehen und fertige Zauber in Flaschen kann sie auch anwenden. Wie sich die wilde Magie in den Folgebänden zeigt, ist vollkommen offen (kein Spoiler, sorry).

Sonstiges

Es hat mich ein paar Takte gekostet, bis ich bei Band 1 in die vollständige Welt und das Magiekonzept eingestiegen bin. Dafür konnte ich damit jederzeit in Folgebände reinlesen und fand mich sofort wieder zurecht. Durch kurze Kapitel und schnelle Entwicklungen gibt es immer wieder Wendungen, mit denen Kerra sich immer tiefer verstrickt, bis alles eskaliert. Genau das habe ich genossen: Sie versucht, einen Brand zu löschen und aus dieser Handlung heraus ergeben sich weitere Verstrickungen. Die Geschichte entwickelt sich sehr natürlich weiter, bis auf die Schattenkünder, die in Band 3 doch recht plötzlich auftauchen.

Selfpublisher professionalisieren sich immer mehr und sie greifen wie die Verlage auf Korrektorat, Lektorat oder Coverdesign zurück. Das merkt man auch hier: Kaum Tippfehler oder sonstige krude Kleinigkeiten, die in nicht lektorierten Erzählungen üblicherweise auftauchen.

Mein Fazit

Band 1 bis 3 habe ich gelesen und Band 4 wird mit Sicherheit auf meiner Kindle App am Handy laden! Ich bin sehr gespannt, wie alles ausgeht und ob Alat am Ende des Tages überhaupt noch steht …

Die Reihe:

Band 1: Unstern
Band 2: Flammendunkel
Band 3: Schattenkünder
Band 4: Sternenwerk

Allesamt erschienen im Selfpublishing, tolino media soweit mir bekannt und sind erhältlich bspw. bei Amazon oder Hugendubel. Auch als Print verfügbar!

Fun Facts

  • Der Name „Sidra“ ist das absolute Gegenteil von Kerra – laut Deutung im lateinischen Kontext ist sie unter einem glücklichen Stern geboren. Ob das was für Band 4 bedeuten könnte oder will uns die Autorin damit auf den Holzweg führen?
  • Auch „Dolan“ hat eine Bedeutung, die wohl dem Gälischen entspringt. Schotten haben das Wort „dubh“, was schwarz oder dunkel ist. Im irischen Gälisch gibt es den Namen Duibhlin, wohl tendenziell ein Nachname mit „Der Schwarzhaarige“ als Bedeutung.
  • „Alat“ indes ist ein Enzym 😀 oder kann mit „Werkzeuge“ übersetzt werden.
  • Die Autorin streamt auf Twitch Co-Working, manchmal Gaming – und hat ein Plätzchen für alle, die abends oder Sonntags auch an ihren To Do-Listen feilen.

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