Rezension zu Bookshops & Bonedust
Rezensionen - Fantasy

Bookshops & Bonedust: Ein Ork auf Zwangsurlaub

Vorab: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, zur Übersetzungsqualität kann ich daher nichts sagen. Autor ist Travis Baldree und dieses Buch inhaltlich eine Prequel zu Legends & Lattes („Magie & Milchschaum“), aber vom Erscheinungstermin her Band 2.

Darum geht es in Bookshops & Bonedust / Bücher & Barbaren

Die junge Ork-Kriegerin Viv strotz nur so vor Kraft, aber eben auch vor Übermut: Bei einem Kampf gegen die Kreaturen einer gefährlichen Necromancerin namens Varine übernimmt sich unser Lieblings-Ork (wird sie sein, versprochen!) und wird schwer verletzt. Zum Glück überlebt sie, doch ihre Crew bringt sie erst einmal in der verschlafenen Küstenstadt Murk unter, während sie selbst weiter den Necromancer jagen. Nachdem Viv zu sich kommt, weiß sie nicht wohin mit sich: Ihr Bett ist zu klein, das Bein schmerzt wie acht Höllen, sie selbst kann keine Sekunde still sitzen – doch zu tun gibt es nichts. NICHTS *ächz*

Außer einer sensationell gut duftenden Bäckerei findet Viv in Murk nur noch einen alten, heruntergekommenen Buchladen. Die Inhaberin – Fern – muss ihn wohl bald schließen, wenn sich nichts ändert 🙁 Viv kommt ins Grübeln, mit Fern in freundschaftlichen Austausch und schon zerren die beiden nicht nur am alten Teppich, um etwas frische Luft in den Laden zu bringen. Doch wie das so ist: Das Abenteuer wartet nicht und während Viv mit ihrer inneren Unruhe kämpft, tauchen rund um Murk Anzeichen der Necromancerin auf. Was will sie in Murk? Wer ist die Gestalt mit der grauen Kapuze? Kann Viv schnell genug wieder fit werden, um ihre neugewonnenen Freunde zu beschützen?

Es ist so cozy, ich werd wahnsinnig!

Zugegeben: Es überrascht mich nicht, dass ich Bookshops & Bonedust sehr mag, weil mir schon „Legends & Lattes“, ebenfalls auf Englisch, sehr gut geschmeckt hat. Es ist im Kern die Kombination aus Abenteuerroman, unaufgeregtem Alltag und wirklich enorm coolen Charakteren, die den Sog ausmachen. Ich meine, wann folgt man freiwillig einer Rattkin und einem Ork auf der Reise, einen alten Buchladen aufzufrischen und neue Kunden an Land zu ziehen? Ich hab mir wirklich Tee in eine große Tasse gepackt, meine Füße unter eine Decke gesteckt, die Haare aus dem Gesicht zu einem unheilig aussehenden Dutt gewuschelt und bin abgetaucht zu meinen Freunden aus Murk.

So hat sich das angefühlt, wie heimkommen in eine Welt aus Fantasywesen, die auf mich gewartet haben. Dazu kam eine kleine, kaum offensichtlich stattfindende Romanze zwischen Viv und Maylee (die Bäckerin), die so weit von Spice entfernt ist, wie es nur geht – und mein persönliches Glück war perfekt. Die geschichte ist absolut harmlos, cute aber eben auch spannend, denn als der mysteriöse Typ auftaucht, wird  klar, dass das Abenteuer Viv nach Murk gefolgt ist. Vom Plott her ist das vorhersehbar und gerade deswegen mag ich es. Ich habe darauf gewartet, dass es endlich passiert und dann war es sehr gut umgesetzt.

Super kleiner Fun-Fact

Murk“ heißt das verschlafene Küstenstädtchen und heißt übersetzt so viel wie „Düsternis“. „Satchel“ ist eher ein Schulranzen, wobei nicht der deutsche Schulranzen auf dem Rücken gemeint ist, sondern wohl eher an einem Riemen getragene Umhängetasche. Stellt man sich das mit Leder vor, findet es schon eher einen Platz in Murk – und ein Schädel muss da ja schließlich auch reinpassen.

Meine Erwartungshaltung an Cozy Fantasy

Ich hoffe, dass

  • … sie mich auf einfache und vor allem positive Weise unterhält, der Plott also nicht zu kompliziert ist.
  • … sie ab und zu einen weisen Satz liefert, den ich in mein reales Leben mitnehmen kann.
  • … ein Ende kommt, das mich nicht schocken möchte und vor allem keinen Cliffhanger darstellt. Gemütlichkeit ist zentral!
  • … es keinen Spice gibt. Bitte nicht. Nein, nein, nein.
  • … (aufkeimende) Freundschaft eine große Rolle spielt.
  • … dass der Bösewicht einfach böse ist. Schattierungen und komplizierte Charaktere sind auch spannend, aber eben nicht in Cozy Fantasy. Lass uns den, die, divers nur negativ betrachten, vernichten und gut ist.
  • … sie mir das Gefühl gibt, dass es eine gemütliche Fantasywelt gibt, die emotional auf Tee und Scones basiert.

Alles davon hat Bookshops & Bonedust / Bücher & Barbaren erfüllt, vollkommen sogar. Ich sitze hier, tippe meine Gedanken zum Buch und vermisse es direkt. Vielleicht legt es daran, dass es eine übersichtliche Welt ist, die mir den Eindruck vermittelt, sie in Gänze zu überblicken und damit Sicherheit bietet.  Es springt keine Überraschung aus dem Nichts hervor und stellt alles auf den Kopf – und wenn du etwas Ähnliches suchst, wirst du diese Geschichte auf jeden Fall mögen.

Gute Aussichten für alle Fans

Für den November 2025 ist Band 3 angekündigt: Brigands & Breadknives – eine Geschichte rund um Fern, die direkt an das Ende von „Bookshops & Bonedust“ anknüpft. Ich freue mich sehr darauf!

 

SPOILERZONE!
für das Ende von Bücher & Barbaren

Bitte auf eigenes Risiko weiterlesen.

  • Wie konnte Satchel am Ende die Necromancerin ins Buch ziehen? Weil sie sich offenbar nicht dagegen geschützt hat, dass ihr Diener sich gegen sie wendet. Das ist kein Fehler und keine Inkonsistenz, sondern einfach Hybris: Die absolute Überzeugung von sich selbst, dass sich ihr niemand WAGT, in den Weg zu stellen. Zumal man dem Buch ja wieder entkommen könnte und sie diverse Kontrollsysteme im Einsatz hat, denn sie kann offenbar alle Erinnerungen von Satchel abrufen, weswegen er sich gerne zurückzieht, um lieber nichts von Plänen zu wissen. Außerdem ist er bereit, sich zu opfern – vielleicht weiß er selbst nicht, dass er entkommen könnte. Die Magie, die das Buch nutzt, gehört meines Wissens nach der Necromancerin, also passt für mich, dass sie als Quelle der Magie ausgeschaltet wird, sobald sie in den Untiefen des Buchs ankommt und damit das Buch selbst seine Funktion verliert, bzw stirbt, nachdem Viv zusätzlich das Schwert reinrammt. Erinnert ein klein wenig an Harry Potter, als der Zahn das Tagebuch von Tom Riddle durchbohrt.

 

  • Warum heilt Viv nicht schneller, gibt es keine Tränke? Fragt ein User auf Reddit. Aber ganz ehrlich: Erstens wird ein solcher Trank benutzt, nachdem sie sich das erste Mal so massiv überbelastet. Er ist aber mit extremen Schmerzen verbunden und nicht so leicht ranzukriegen (das verschlafene Küstenstädtchen lässt grüßen). Zum anderen ist es nicht einfach eine Schnittwunde, sondern etwas Größeres mit massiven Blutverlust, der Viv fast getötet hätte. Damit geht man nicht 3 Tage später wieder auf Wanderschaft – nicht in einer Welt, in der die Fähigkeit des Laufens gleichzusetzen ist mit „Arbeit finden“ und „überleben“! Die Verletzung noch komplizierter zu machen hätte wohl mit der Coziness gehadert.

 

  • Das Buch ist zu amerikanisch. Huch? Hier bezieht man sich auf Fern, die den Buchladen ihres Vaters übernommen hat und den bald schließen muss, weil zu wenig Umsatz reinkommt. Für Cozy Fantasy müsste man mehr Fokus auf die Community legen, die Schuld dafür nicht Fern geben (die seit Jahren nichts geändert hat, „pull yourself out!“) und es dürfe nicht so sehr darum gehen, kleine Unternehmen zu retten. Ich sehe den Buchladen als Entsprechung zu Fern: Manchmal steht man in seinem Leben scheinbar immer auf der gleichen Stelle, nichts ändert sich und für eine Weile fällt es einem gar nicht auf. Aber nach einiger Zeit kommt der Punkt, da sieht man den Staub, die mangelnde Neugier, keine Reize durch Weiterentwicklung. Und jetzt kommt die Community zusammen: Viv, Maylee, der andere Ork, sogar eine Autorin – und zusammen gehen sie die Veränderung an, helfen damit Fern und der kleinen Stadt Murk, die damit ein echtes Juwel erhält sowie den Reisenden von den Schiffen. Fern verändert sich auch, entfaltet sich persönlich und entkommt daher ihrer eigenen Starre. Passt für mich.

Was meinst du? Ich bin gespannt 🙂

Liebe Grüße

Bettina

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3 Gedanken zu „Bookshops & Bonedust: Ein Ork auf Zwangsurlaub“

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