Es begab sich, dass ich nach Weihnachten 2025 mit meiner Freundin Marika durch die Innenstadt von Passau marodierte und wir auf der Suche nach einem leckeren Kakao einen Buchladen entdeckten. Warum Passau, fragst du dich? Weil die doofe Nuss aus München weggezogen ist. How dare she. So. Zurück zum Marodieren: Ja, die Kombination aus Café und Buchladen gibt es wirklich, noch dazu war es ein Indie-Laden, relativ klein, in einem denkmalgeschützten Bau. Was soll man da anderes machen, als das hart verdiente Geld hinzutragen? Shut up and take my money!
Zu allem Überfluss entdeckt man da Bücher von Tolkien, die man bisher nicht kannte und vor allem hatten sie eine sehr feine Auswahl an Fantasybüchern auf Deutsch und Englisch. Nun begab es sich auch, dass wir in einer Zeit leben, in der man verflixt noch mal nicht mehr kennzeichnet, wenn ein Buch Teil einer Reihe ist! Also kaufte ich nichtsahnend einen dritten Band. Ich war hinreichend sauer und ließ das Buch erst mal im SuB untergehen.
Im Sommer 2026 begab sich anfolgend, dass ich eine ausgesprochene Phase für Cozy Fantasy hinlegte. Eigentlich stecke ich immer noch drin fest, und nachdem Gisela die Reihe kannte und empfahl, habe ich mir doch einmal „Emily Wildes Ecyclopedia of Fairies“ angeschaut, auch wenn mir die reihe bisher völlig unbekannt geblieben war. Nun – es gibt einen Love Interest, Forced Proximity, aber die Feen haben mit ACOTAR echt wenig zu tun, so viel möchte ich vorausschicken. So sehr ich ACOTAR liebe, durch dessen Erfolg denken jetzt zu viele Menschen, dass Fae immer hot und harmlos sind. Nein! Einfach nein!
Oh, du willst erst mal wissen, worum es geht?
Na gut: Emily forscht in Cambridge an der Welt der Fairies und möchte eine Enzyklopädie über diese veröffentlichen. Dafür fehlt ihr noch ein Kapitel über die sogenannten Hidden Ones in einer winterlichen, entlegenen Gegend. Also reist sie dorthin und trifft dort nicht nur auf kurz angebundene Dorfbewohner, sondern ausgerechnet Wendell, ihren Forschungskollegen – und Vertreter der Fairies, die alles andere als harmlos sind! Wechselbälger, verfluchte Könige, Flüche und alte Geschichten verweben sich zu einer angenehmen Wintergeschichte vor dem Kamin.
Es ist ein seltsames Buch!
… so I like it, Picasso. Warum? Seltsam ist gut. Seltsam ist selten angepasst, bietet Ecken und Kanten sowie die Möglichkeit, mal in anderes denkende Köpfe zu kucken. Und nicht in die Köpfe von Menschen oder Wesen, die super hübsch sind und klug und eigentlich magische Kräfte haben bla bla bla. Wenn man ehrlich ist, versuchen wir uns doch seit der eigenen Schulzeit von der Vorstellung zu lösen, das man das alles sein muss, um erfolgreich zu sein. Auch wenn einem die Schönheitsindustrie das immer wieder einprügeln möchte! Aus diesem und so vielen anderen Gründen mag ich es, wenn Protagonisten nicht perfekt sind und nahtlos durch ihre Abenteuer gleiten. Schließlich begleite ich sie in meiner knappen Freizeit und das soll sich durchaus lohnen.
Emily indes ist sehr wissenschaftlich eingestellt und das geht zu Lasten ihrer Gefühlswelt, was wiederum die sich andeutende Romanze sehr stark beeinflusst. In einer Welt aus Romantasy ist das schon mal hinreichend edgy. Die Romanze legt auch absolut keinen Wert darauf, besonders romantisch zu sein, was ich wirklich sehr mag. Es geht nicht um klopfende Herzen, sondern eher die Unbequemlichkeit, die Gefühle in eine funktionierende Arbeitsbeziehung bringen können. Denn Emily hat nun mal ein großes Ziel ganz nah vor Augen – und das ist nicht die Liebe.
Gibt’s das Buch auf Deutsch?
Überraschenderweise ja. Von den deutschen Ausgaben habe ich so rein gar nichts mitbekommen und jetzt treibe ich mich in den Fantasy-Ecken von Bookstagram herum, wo hübsche Cover eigentlich immer auftauchen – nada bisher. Mal kucken, ob ich davon noch etwas finde, oder sind Hashtags schon völlig nutzlos geworden? Die Cover der deutschen Reihe können mit der englischen Ausgabe jedenfalls nicht mithalten, oder was meinst du?
Wie ausgeprägt Cozy ist „Emily Wildes…“?
Klares „jein“. Ja, es sind wenige Charaktere, es wird definitiv gut ausgehen, es gibt ein kleines Abenteuer, es wird keine große Schlacht angekündigt, klare Antagonisten gibt es auch nicht unbedingt. Die winterliche Atmosphäre macht es direkt kuschelig, weil man sich mit dicken Mänteln und Decken vors Feuer dazupackt und damit war es mir auch im Hochsommer cozy genug. Wer aber etwas sucht, das wirklich quietschig süß und niedlich ist, findet hier doch etwas mehr Sandpapier als rosa Flausch.
Mein Eindruck von der Hauptperson
Heather Fawcett hat ihre Emily zutiefst akademisch konzipiert, aber sie ist nicht hilflos und schon gar nicht dumm. Emily kann mit sozialen Kontakten wenig anfangen und kommt mit gesellschaftlichen Konventionen nicht gut zurecht. Aber im Grunde ihres Herzens ist sie kein A*sch und das finde ich gut. Sie kann halt kein Schwert schwingen und entfaltet auch keine innere Amazone, um durch ihr Abenteuer zu kommen. Das wäre auch hinreichend unglaubwürdig und ich weiß es sehr zu schätzen, wenn eine Geschichte in sich stimmig ist und nicht plötzlcih die Rahmenbedingungen geändert werden, damit man gängigen Strömungen auf dem Buchmarkt entspricht.
Wie geht’s weiter?
Mit Band 2 und 3, die beide hier schon liegen. In ein paar Tagen, denn es ist mittlerweile August und damit steht das achte Buch aus meinen #12für2026 an – sonst gerate ich hier noch ins Hintertreffen… Aber ich muss sagen, ich brauch da noch etwas Motivation. Herr der Ringe liest sich fürchterlich kompliziert im Vergleich zu Cozy Fantasy, dazu George Orwell … Aber vielleicht kuck ich auch mal, was andere zu Emily Wildes Encyclopedia of Fairies gepostet haben 🙂 Außerdem: Eiskaffee!
Schönes Wochenenede euch allen und schreibt mir gerne, wenn ihr das Buch oder sogar die Reihe schon kennt!
Eure Betsy
PS Du willst mehr Cozy Fantasy? Hier rezensiere ich „The Enchanted Greenhouse“ und habe eine Theorie über dummen Knoblauch…