the enchanted greenhouse
Rezensionen - Romantasy

Über dummen Knoblauch: The Enchanted Greenhouse

Erinnerst du dich an „The Spellshop“, ein cosy fantasy-Buch aus dem Frühjahr/Sommer 2025 von Sarah Beth Durst? Auch ich habe es gelesen, aber (noch) nicht rezensiert – viel wichtiger ist jetzt aber, dass es davon längst ein Band 2 gibt: The Enchanted Greenhouse. Die Autorin übrigens beileibe keine Newcomerin, denn sie hat einfach mal schon über 20 Bücher veröffentlicht!

Beides habe ich auf Englisch gelesen, weil ich das manchmal einfach mag, auf Deutsch gibt es diesen Band 2 aber auch schon. Bestimmte Wortwitze sind auf Englisch einfach klarer und da ich die Sprache nun mal ausgeschnappt habe, ist es schön, sie auch mal einzusetzen. Band 1 hat mir den Sommer versüßt, denn er war wirklich sympathisch und bot gleichzeitig Herausforderungen – eine Bibliothekarin, die sich aus der Hauptstadt Alessium absetzt, dabei Bücher mitgehen lässt und eine kleine Gemeinde auf einer Insel mit Magie versorgt oder vielleicht doch eher in Bredouille bringt? Who knows 😉 will ja nicht spoilern, aber ich mochte Band 1 schon sehr. Band 2 war auf dem Kindle/in der Kindle App fürs Handy dann plötzlich mit 1,12 Euro schon arg günstig und so durfte „The Enchanted Greenhouse“ digital einziehen.

Darum geht es in „The Enchanted Greenhouse“

Ihr Name ist Terlu. Terlu war Bibliothekarin – bis sie aus Einsamkeit eine Pflanze zu Leben erweckte und dafür mit der Verwandlung in eine Statue bestraft wurde. Nach 6 Jahren erwacht sie, fernab ihrer Bibliothek und mitten in einem Schneesturm. Wie sich herausstellt, wurde sie von einer guten Seele und mit voller Absicht auf eine Insel geschickt: Terlu soll helfen, die magischen Gewächshäuser zu retten. Doch der Gärtner der Insel, Yarrow, ist mehr wortkarg als hilfreich und so muss Terlu ihren eigenen Weg finden …

Wenn „Cosy“ in „Langeweile“ umschlägt

Die überschaubaren Probleme der cosy fantasy-Welt waren in Form der zusammenbrechenden Gewächshäuser vorhanden, die aufkeimende Freundschaft zwischen ihr und dem Gärtner gemischt mit dem Trope der Found Family sowie kleine magische Sprüche auch. Die Umgebung ist übersichtlich (Insel!) und wird genau genug beschrieben, um sich ein etwaiges Bild zu machen. Gut, charmant ist an dem Problem der Gewächshäuser nichts, aber dafür gibt es mit den personifizierten Pflanzen einige schräge und unterhaltsame Charaktere, die das Leben auf der Insel wieder erheitern. Der cosy-Fantasy-Eskapismus kam mir aber zu kurz: Die beschriebene Ecke der Welt ist mir zu übersichtlich, sodass das Buch mich nicht so richtig aus meinem Alltag entfernen konnte. Aber ja, es handelt sich hier um cosy fantasy.

Die Überschrift des Beitrags sagt allerdings schon, in welche Richtung es geht: Es war mir zu cosy. Es war so cosy, dass:

  • es sich ohne nennenswerte Entwicklung gezogen hat,
  • diese Längen durch viel zu häufiges Grübeln der Protagonistin noch gedehnt wurden und
  • vor allem immer wieder das gleiche Thema genannt wurde. Ja, sie war eine Statue und das muss schlimm gewesen sein. Wenn es sie aber so geschockt hat, dann lässt sie ab sofort entweder die Hände von der Magie oder wehrt sich gegen das ungerechte Urteil. Stattdessen hängt sie dazwischen fest und das machte mir beim Lesen einfach keinen Spaß. „Ja, ich will in Magie dabbeln, ja alles voll mega-maximal riskant und so, ich null ausgebildet, aber ich rette diese Insel!!!“ und gleichzeitig „Ieh, wenn mich jemand verrät, dann werd ich wieder eine Statue!“. Ergibt für mich zu wenig Sinn und dass ausgerechnet dieser Zwischendrin-Status ihre Gedankenwelt so durchgängig beschäftigt, zog mich irgendwann einfach nur noch runter.

Ins Grübeln kam ich dann auch selbst, denn wenn die sprechenden, singenden und tanzende Pflanzen ihre Freunde sind, warum landet dann der Knoblauch im Kochtopf und alle sind happy? Müssten die anderen Pflanzen dann nicht Angst haben oder das zumindest ablehnen? Zumal die Magie die Pflanzen nur ins Leben gerufen hat, den jeweiligen Charakter haben die Pflanzen also schon in sich getragen und sind sozusagen als Individuen zu betrachten. Wird der Knoblauch hier also absichtlich „dumm gehalten“, damit man ihn als minderwertige Pflanze der Kulinarik zuführen kann? Sowieso: Warum essen die auf der Insel nur Honigkuchen und Suppe? Ja okay, man kann sich da mit zu viel Koffein im Blut etwas reinsteigern, aber die Basis meiner Übertreibung ist nun einmal vorhanden und dafür ziehe ich Punkte ab. Final kommen da auch Grübeleien dazu, wie der gute Yarrow am Anfang Terlu mit einem Zauberspruch zum Leben erwecken konnte, aber jetzt nichts mehr zur Rettung seiner Gewächhäuser beitragen kann oder möchte. Wie meine 2-Jährige sagen würde: „Das bassd nis!“

Es gab auch Positives!

Ja, wirklich und ich will nicht nur negativ schreiben. Gut fand ich, dass der männliche Protagonist gerne bäckt oder sein Zuhause pflegt – ein non-toxisches Männerbild, das mir beim Lesen sehr gut gefallen hat. Gut fand ich, dass … puh. Okay, gar nicht so einfach. Gut war, dass die Autorin ganz offensichtlich wert auf psychische Gesundheit und damit auch Grenzen setzen legt. Das sagen ihre Figuren vielleicht ein wenig zu deutlich, aber immerhin kommt es vor, das ist doch auch was Positives.

Mein Fazit

Klipp und Klar: An die Qualität von Band 1 kommt „The Enchanted Greenhouse“ leider nicht ran. Zumal – und jetzt nehme ich es sehr genau – es sich um viele Gewächshäuser handelt, der Plural also schlicht korrekter gewesen wäre. Band 3 soll „Sea of Charms“ heißen und ist derzeit für den August 2026 geplant. Ich hoffe, dass diese Zeit für ein besseres Buch sorgt und warte daher gerne bis zum nächsten Hochsommer.

 

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