Was soll ich sagen, manchmal ist meine Meinung einfach klar – und dann bringe ich sie auch unmissverständlich auf den Punkt.
Es ist eines der besten Fantasy-Bücher 2025!
„Wo die Nacht verweilt“ ist ein Fantasy-Einteiler und so simpel das klingt – damit fängt es ja schon mal an. Zurzeit ist alles eine Dilogie, wenn nicht gleich eine offene Ruhe. Da tut es einfach gut, wenn man mal nicht noch ein Fass aufmacht, das man ständig mal wieder auf Neuerscheinungen prüfen muss. Eine in sich geschlossene, welch wundervolle Erfahrung.
Inhaltlich habe ich es geliebt, denn die junge Liska will das, was viele Menschen wollen: Reinpassen in die Gesellschaft, dazugehören, keine Gefahr für Freunde und Familie darstellen. Dabei hat sie schon viel auf ihren schmalen Schultern tragen müssen und jetzt hat sie endlich den Entschluss gefasst: Sie schenkt einer alten Sage Glauben und geht in einen verfluchten Driada-Wald, auf der Suche nach der Blume eines Dämons (der Leszy), die ihre Magie ausmerzen soll. Stattdessen findet sie den Leszy selbst, der ihre Magie lieber für seine Zwecke nutzen möchte …
Welche Mythen kommen zum Einsatz?
Vom kulturellen Hintergrund gehört das Buch in die slawische Umgebung – es wird also düster, Menschen sterben tatsächlich, Dämonen sind real, es gibt nicht nur knuffelige Hausgeister und man muss für sein Glück arbeiten und trägt die Verantwortung für das eigene Verhalten. Dazu ist es eine reduzierte Dorfgemeinschaft, in der sich unsere Prota bewegt: Angst vor Unbekanntem, Machtstrukturen fußen oft in religiösem Kontext, aber eigentlich wollen die meisten Bewohner nur Überleben und abend vor dem Feuer im eigenen Haus sitzen. Genau dafür ist unsere Prota, Liska, aber eine Gefahr, denn ihre Magie hat sie nicht im Griff und wieso gilt Magie als heidnisch. Doch wenn man genau hinschaut, gibt es den Domovai wirklich, also den Hausgeist, der im oder am Herd lebt.
Ich liebe dieses Setting. Da wird nicht einfach alles gut, weil wir so fürchterlich weichgespült leben und alles andere nicht mehr aushalten. Disney ist hier ganz ganz weit weg in einem anderen Kosmos! Parallel testet Liska ihre Grenzen und die ihrer Umgebung und weil ihr in manchen Teilen einfach nie jemand gesagt hat, ess etwas nicht geht, probiert sie sich aus. Außerdem hat sie einfach einen unaufgeregten, guten Moralkompass und handelt danach – nicht nach dem, was logisch wäre. So verheddert sie sich netterweise in der einen oder anderen Komplikation, was wiederum zu einem größeren Twist am Ende führt.
Gibt es Romance?
Ja, aber nicht so, wie wir es mittlerweile gewohnt sind. Darüber drückt sich die Romance in „Wo die Nacht verweilt“ aus:
- vorsichtige Annäherungen
- Zweifel
- federleichte Berührungen
- Wund-Versorgung 😀
Was es nicht gibt:
- Spice
Die schiere Abwesenheit von letzterem ist ein absoluter Bonus, lass mich das klarstellen. Man kann sich zueinander hingezogen fühlen, ohne dass Bomben zünden und Blüten regnen. Ich habe die Romanze hier sehr genossen, denn sie passt sich nicht dem Markt der Bücherkaufenden an, sondern der Geschichte und ihrem zugrundeliegenden Feeling.
Mein Fazit: Das perfekte Winter-Weihnachtsbuch!
Meine Meinung bleibt überraschenderweise gleich und hat sich seit der Überschrift nicht geändert.
Mit jeder Faser meines lesenden Daseins habe ich mich wohlgefühlt und alles andere aus meiner Realität musste erst mal in den Hintergrund rücken. Auch wenn ich es schade finde, dass es recht schnell gelesen war – alles andere wäre künstliches Aufblasen gewesen und so ist die Geschichte genau so richtig, wie sie ist. Vom Vibe her passt es hervorragend zu starkem Wind, der durch Baum-Äste fährt, zu Kerzenlicht, das flackernde Schatten wirft und heißem Kakao, der uns den Bauch wärmt – für das Herz ist die Geschichte zuständig.
Gefunden habe ich das Buch in meiner Lieblingsbuchhandlung um die Ecke, die keiner Kette angehört und gerade massiv ausbaut, was jüngere Zielgruppen angeht: wirklich viel Fantasy, Romantasy und Romance. Bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht nur auf nette Farbschnitte setzen! Erschienen ist „Wo die Nacht verweilt“ übrigens beim Arctis Verlag, der mir ehrlich gesagt auch nur ganz vage ein Begriff ist – im englischen Original war das Buch allerdings bereits ein NYT-Bestseller.
Das Beste am Buch?
Der letzte Satz. Der hat mich aus der Wolke rausgeholt und elektrisiert.
Falls das Buch bisher also auch an dir vorbeigegangen ist: Ich lege es dir hiermit ans Herz.
Hier geht es übrigens zur Website der Autorin, die ihr Leben bisher zwischen Kanada und Polen aufgeteilt hat.