Rezension "der Maulwurf" von Mark Spörrle
Rezensionen - Sonstige

Der Maulwurf: Humor, der mir nichts gibt

Die Temperaturen werden wärmer und da mischt sich ab und zu ein Sommerbuch unter meine Fantasy-Liebhaberei. Lockerflockige Unterhaltung, ein bisschen Charme, ein bisschen Gesellschaftskritik – mehr braucht es da nicht. Ok, vielleicht noch einen Mord! Als das alles bei „Der Maulwurf“ zusammenkommen sollte, war ich sehr angetan.

Die ersten Seiten hielten, was sie versprachen – doch dann rutschte das Lesevergnügen rapide ab. Nein, das wird kein aufmerksamkeitsstarker Verriss voller Selbstinszenierung, ich möchte ich lieber ganz dezidiert die Punkte auflisten, die für mich echte, aber sehr subjektive Abturner sind:

Rezension "der Maulwurf" von Mark Spörrle
 

Das zugrundeliegende Setting ist sehr einfach.

Mittelalte Eheleute inklusive pubertierender Tochter ziehen von Hamburg aus aufs Land. Wir treffen auf Sascha und seine Frau Anna, selbstredend Großstädter mit modernen Ansichten, die in der Landbevölkerung auf das Gegenteil treffen: E-Mobilität böse, große SUVs überall, man beobachtet sich durch Hecken! Das ist aus Unterhaltungssicht noch okay, aber zeigt schon die Richtung, in die es gehen wird:

Klischees.

Jede Menge davon. Vom Baumarkt-Verkäufer, der genauso gut in einem bayrischen Wirthaus sitzen könnte, um sich über die Grünen aufzuregen und dabei, höhö und zwinkerzwonki, der Bedienung auf Körperteile zu schielen. Dabei hat der Mann inhaltlich recht, denn wer will bitte 1.800 Quadratmeter mit einem antriebsfreien Rasenmäher (Spindelmäher, lmgtfy) versorgen? Allein diese Szene hätte sich mit etwas Vernunft fast komplett einkürzen lassen. Offenbar wurde diese Figur als unsympathischer Behinderung der modernen, nachhaltigen Möglichkeiten des Lebens, die ihren Ursprung in der Stadt haben, gestrickt. Zudem wird unsere Hauptperson permanent angehupt, weil er als moderner Großstadtmensch mit dem E-Roller zur Arbeit fahre, das störe auf den Straßen. Ja meine Güte, un was haben die in den letzten Jahrzehnten bei Fahrrädern gemacht, die nun nachweislich weit fernab von SUVs und Co liegen? Apropos SUVs: Die werden grundsätzlich so gefahren, dass der Splitt spritzt und man/frau lächelt aus dem halb heruntergelassenen Fenster auf den Rest der Welt herab.

Was das Vorhandensein von Klischees mit sich bringt?

Ziemliche Leere bei der Kreativität, die Abwesenheit überraschender Wendungen. Man kann sich denken, was kommt – es spitzt sich gemäß bekanntem Planspiel zu. Wer noch nie was gegen Maulwürfe unternommen hat, braucht nur kurz googlen: Alle Tipps, die auf Seite eins genannt werden, kommen fast genauso vor.

Unsympathische Hauptperson

Sascha ist ein Maniac: Auf seinem am Fenster stehenden Schreibtisch richtet er die Bleistifte super akkurat aus (unkreatives Bild. btw, das kam schon so oft). Wenn dann vor dem Fenster ein Ast wächst, der nicht perfekt zu den Bleistiften ausgerichtet ist, wird der Ast abgesägt … Wenn der Autor seine Hauptfigur so gestalten möchte, ist das natürlich seine Entscheidung, aber ich persönlich kann mich nicht mit ihr anfreunden. Ich muss diese Person aber nicht mögen. Was mir besonders negativ aufgefallen ist, wie Sascha seine eigenen Fehler vertuschen und übertünchen möchte. Gerade im Arbeitskontext stößt mir das sauer auf – so einen Kollegen möchte ich bitte nie im Leben haben. Da wird ständig gelogen, Bauprojekte werden mutwillig abgebrochen und Mitmenschen gnadenlos manipuliert, damit er die nächste Lüge verkaufen kann, seinen Pelz retten und sich um die Jagd nach dem Maulwurf kümmern kann. Dass seine Frau Therapeutin ist, verwundert mich stark. Nein, sie soll ihn nicht therapieren, aber ja, sie soll ihn zu einem/r Kolleg/in schicken! Für mich war in dieser Hinsicht jeder Witz verloren, die Übertreibungen haben mich nicht unterhalten, vielmehr war ich permanent am Augen rollen.

Warum lege ich Wert auf konkrete Beispiele, was mir nicht gefallen hat?

Ich sehe in diesen Punkten meine persönliche Reaktion, die ich dir erklären möchte. Denn Rezensionen sind für andere Leser:innen da, nicht für Autor:innen. Entsprechend werde ich immer versuchen, ehrlich und kritisch zu sein, aber nicht zu diffamieren. Ich hoffe, du kannst nun für dich entscheiden, ob das Buch dir deine Lebenszeit wert sein könnte oder eher nicht 🙂

Satz mit x, das war nix. Aber der Sommer fängt ja gerade erst an! 🙂

Anders gefragt: Hast du das Buch gelesen und fandest es gut? Deine Sichtweise würde mich sehr interessieren!

Wenn du stattdessen einen Blick auf ein tolles Cozy Fantasy-Buch werfen willst, dann hab ich hier eine Empfehlung für dich.

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