Lass uns über Onyx Storm reden. Nimm dir ein Getränk deiner Wahl und tauch ein in meine Gedanken rund um Band 3 der jetzt schon legendären Reihe rund um Drachenreiter aus Basgiath.
Ein Buch, auf das ich mich ehrlich sehr gefreut habe, wie so viele von euch. Fourth Wing holte mich damals aus einer echten Leseflaute – trotz Mann, Kind und Job habe ich es innerhalb von 3 Tagen verschlungen. Aus zeitlicher Sicht eine Meisterleistung für mich! Iron Flame war dann okay, aber nicht mehr so wahnsinnig beeindruckend – man hätte sich einige Seiten sparen können. Onyx Storm? Fing ganz gut an, hat mich nett unterhalten und trudelte dann in einem Tornado gen Hölle. Du merkst schon: Ich bin fast sauer auf das Buch, weil meine Erwartungen so viel höher waren.
6 Gründe, warum ich Onyx Storm nicht mochte
- Die Schreibfehler. Ich verstehe wirklich, dass es logistisch wahnsinnig komplex ist, ein Buch rechtzeitig zum US-Start übersetzt, gedruckt und ausgeliefert zu haben. Dennoch sind es mir einfach zu viele Fehler, die im finalen Werk enthalten sind. Anfänglich habe ich es überlesen, weil ich die Geschichte erfahren/erleben will und nicht auf Fehlersuche bin. Doch ab Mitte des Buches war es einfach nur noch schmerzhaft. „verliren“, „Schupppen“, … Das muss doch allein in der Software markiert werden?
- Die Übersetzung. Die erfolgte offenbar im Tandem, also von 2 Leuten parallel. Bevor ich mich hier über Theorien auslasse, lasst mich ein Beispiel bringen, was hier schief gegangen ist. Im Englischen Original lautete der Satz: „It’s like sliding over a frozen lake while a shrinking part of me screams that I am supposed to be swimming in those pieces I’ve bartered away, and those feelings are right benath the surface, but fuck is skating faster and a hell of a lot less messy. This shit?“
Auf Deutsch heißt er: „Und diese Gefühle sind direkt unter der Oberfläche, aber scheiße, ist darauf zu gleiten verdammt noch mal viel schneller und viel weniger chaotisch“.
Eigentlich hätte er so lauten sollen: „Es ist, als würde ich über einen gefrorenen See gleiten, während ein kleiner werdender Teil von mir schreit, dass ich eigentlich in den Stücken schwimmen sollte, die ich weggetauscht habe, und diese Gefühle sind direkt unter der Oberfläche, aber verdammt, Schlittschuhlaufen ist schneller und verdammt viel weniger chaotisch.“
Nichts davon ist guter Text! Das englische Original ist lang, in sich verheddert und zu vollgepackt. Die kurze deutsche Version unterschlägt wesentliche Infos und die lange Version auf Deutsch hat die gleichen Probleme wie das Original. Verwendet wurde leider die kurze Version und damit haben wir nicht nur eine schlechte Übersetzung, sondern in Konsequenz inhaltliche Probleme: Auf den folgenden Seiten bezieht sich die Autorin immer wieder auf das Eis, auf dem er metaphorisch gleitet. Tja, es ist nur leider für deutsche Leser:innen nie aufgetaucht. „Komm vom Eis runter“, sagt unsere Prota, aber welches meint sie denn? Das muss man sich fragen und bekommt auf mehreren hundert Seiten leider keine Antwort. - Inhaltlich flach. Da hat das Buch fast 1.000 Seiten, aber es stecken immer noch Ideen drin, die nicht ausgearbeitet wurden. Wie geht das? Meiner Meinung nach, indem zu viel Fokus auf das hin und her zwischen den Charakteren liegt. Es hätte eine echt tolle Fantasy-Geschichte mit Romance-Faktor werden können, aber Erfolg und Zeitdruck haben da vermutlich viel verschoben. Statt eine Geschichte erzählen zu wollen, wurde es eine „kommerziell maximal erfolgreiche Geschichte“. Was dann leider nicht so ganz funktioniert hat.
- Die Karte im Buch – stellt leider das Übliche dar und zeigt nicht ansatzweise die Inseln, auf denen dann doch recht viel der Handlung passiert. Warum? Die Herstellung dieses Buchs kostet maximal 7 Euro – für 32 wird es verkauft. Liebe Leute von DTV, wäre da eine Erweiterung der Karte vom Kostenfaktor her nicht drin gewesen oder geht das lizenzrechtlich vielleicht nicht? Könnte ja auch sein, dass dieser Kritikpunkt vom Original ausgehend im Deutschen nicht erfüllbar ist. Stört mich am Ende trotzdem. Ja, Rebecca Yarros selbst sagte dazu, dass die Karten der Inseln ein Spoiler wären. Jetzt sind Karten aber eine rein optische Sache, also soll die Form und Lage der Inseln etwas verraten? Für Diskussionsfreudige Leser:innen empfehle ich den Blick zu reddit, eine meiner kleineren Obsessionen der Neuzeit.
- Die Beziehung – ja, wenn der ursprüngliche Reiz des Enemies to Lovers-Tropes beendet ist, muss der Sog woanders herkommen. Aber füreinander zu brennen, zueinander zu halten und gegen Widrigkeiten zu kämpfen sind gute Ansatzpunkte. Oder nicht?! Leider hat sich Yarros auf Plattitüden eingeschossen: Ich fass dich nicht an, ich bin nicht gut für dich, Entschuldige dich nie, mich anzufassen,… Forced Distance sorgt bei einer bestehenden Beziehung eher kurzfristig für Spannung – alternativ gehört dieses Trope zur Zeit vor dem großen Knall. So wirkt es wie sehr inhaltsfreie Widerholungen unpassender Mantras, sodass die Beziehung leider kein Grund ist, dieses Buch zu lesen.
- Das Ende. Achtung, ich spoilere an dieser Stelle ohne Rücksicht! Mich stören zwei Dinge: Einmal, wie Xaden den Kampf beendet. Hätte er seine Skrupel früher überwunden, wären viele Menschen und Drachen noch am Leben. Egoist. Es war doch klar, worauf es hinausläuft, die beiden hattet mehr als genug Vorahnungen, Prophezeiungen oder wie man es auch nennen mag. Ich mag diese künstliche Verzögerung des Kampfgeschehens nicht, wenn am Ende doch das vor zig Seiten Erwartete passiert. Dann lieber mit einer Überraschung abschließen und alle vom Hocker reißen.
Gründe, warum ich Onyx Storm mochte
- Wenig Spice. Ich hatte anfänglich etwas die Sorge, dass es nur noch um explizite Szenen geht und dadurch der Inhalt ganz arg leidet. Zumals ich eher der Fantasygeschichte folgen möchte als der entstandenen Beziehung. Jetzt gabs auf den ersten 600 Seiten (meine ich) gerade mal eine explizite Szene, was mich sehr beruhigt hat.
- Geopolitik. Es geht endlich mal nicht nur um Basgiath und Tyrrendor, sondern geografisch viel weiter hinaus. Damit ergeben sich neue Einflüsse, politische Absichten und Abhängigkeiten und das Bild „Gut gegen Böse“ erhält eine deutlich taktilere Strömung. Mich persönlich bindet politisches Taktieren deutlich besser als Spice-Szene, wobei sich beides gern die Waage halten darf.
- Es geht nicht alles glatt. Gut, dass sie Charaktere über den Jordan schickt, hat die Autorin bereits massiv bewiesen! Aber dass sie auch keinen Halt vor netten und einigermaen beliebten Charakteren macht, ist enorm wichtig. Die Emotionen, die sie damit hervorruft, sind einfach viel größer und intensiver, als wenn es unbekannter Drache am Boden liegt.

Mein Fazit zu Onyx Storm
Damit hat sich der Lack leider schon. Ich habe durchgehalten, das Buch beendet und lasse es nun sacken, denn Band 4 kommt wann – in vielleicht 2 Jahren? Hoffentlich kann Rebecca Yarros durchatmen, den Hype hinter sich lassen und wieder zu der Geschichte zurückkehren, die wir in Band 1 so unfassbar inhaliert haben. Ich würde es uns allen wünschen!
Liebe Grüße
Betsy
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